Baugeschichtliches Seminar
Geschichte der Stadträume.
Form, Funktion und Qualität von Straße und Platz im historischen Kontext

PD Dr. Sabine Brinitzer

   
     

Rom, Petersplatz, Entwurf von Gianlorenzo Bernini, 1667

Rom, Petersplatz, Entwurf von Gianlorenzo Bernini,
Stich von Giovanni Battista Falda, 1667

 

Das Seminar hat zum Ziel, als Ergänzung zum praktischen städtebaulichen Entwerfen, das in anderen Lehrgebieten geübt wird, ein theoretisches Wissen über die Entstehung, die Formen und die Funktionen der Straßen und Plätze europäischer Städte im Verlauf der Geschichte zu erarbeiten und gleichzeitig ihre Qualitäten zu überprüfen.
Nach einführenden begrifflichen Analysen sollen, ausgehend von der Stadt der Antike bis in die Stadt der Moderne die veränderten Bedingungen, Ansprüche und daraus resultierenden Ausprägungen von Straße und Platz als Stadträume untersucht und damit auch deren historischer Wandel ins Bewußtsein gerufen werden.
Anlaß zu diesem Seminar bildet der kontinuierliche Diskurs um die Zukunft der europäischen Stadt, der wesentlich von der Frage bestimmt ist, ob wir heute aufgrund der demographischen Entwicklung der Gesellschaft, der allgegenwärtigen digitalen Medien, der Individualisierung der Bevölkerung, der sozialen Segregation und der berufsnotwendigen Fluktuationen in der Zukunft noch in den bisherigen städtischen Strukturen leben wollen und können. Und konkret auf die Stadträume bezogen: in welcher Form wir den öffentlichen Raum, d.h. die Straße und den Platz in der Stadt uns wünschen, ihn benötigen und nutzen. Denn diese Elemente tragen wesentlich zur Struktur einer Stadt bei und bestimmen durch ihre Form, Größe, Begrenzungsart, Proportion, Nutzung, Wahrnehmbarkeit und vielen anderen Parametern ihren unverwechselbaren Charakter.

Da es vor allem gesellschaftliche, wirtschaftliche und verkehrsbedingte Verhältnisse waren, die bestimmte Gestaltungen von Verkehrswegen und Stadträumen hervorgebracht haben und ihre Qualitäten beispielsweise in der Funktionsgerechtheit, in der hohen Nutzungsfrequenz, im Symbolgehalt, in der Orientierungshilfe, in der ästhetischen Erscheinung oder auch in der Erzeugung von Identifikation mit dem Ort gesehen werden können, sollen solche Faktoren anhand der bekanntesten Stadträume in der Baugeschichte untersucht und reflektiert werden.
Dies um so mehr, da immer wieder die bescheidene architektonische Qualität und das gestalterische Chaos der öffentlichen Räume beklagt wird und in Forderungen mündet, die Unverwechselbarkeit der Stadtgestalt zu erhalten, eine Authentizität und Beständigkeit des Ortes zu garantieren, welche die Erfahrungen von mehreren Generationen widerspiegelt und für einen baulichen und damit auch gedanklichen Raum zu sorgen, der eine Projektions- und Auftrittsfläche für eine lebendige Gesellschaft bietet, und deshalb das Wissen um die Geschichte der Stadträume ein wichtiges Instrument bildet, Straßen und Plätze aufmerksam zu beobachten, ihre Entwicklung zu erkennen, sie zu beurteilen, in die Zukunft einzubinden und letztlich neue Formen erarbeiten zu können.

 

Das Seminar findet 14-täglich statt und beginnt am Donnerstag, den 20.Oktober 2011 um 11.30 Uhr in Raum U 62.
     
   
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